Gelassenheit! Sofort!

ohneGelassenheit

Letzte Woche hatte ich wieder einen so genannten Follow-Up-Workshop mit einer Gruppe Menschen, die drei Monate zuvor ein Führungskräftetraining bei und mit mir genossen haben.

Welche Freude zu erfahren, wie viel die Teilnehmer nach dem Training damals ausprobiert haben und wie viel davon tatsächlich funktioniert hat. Doch, oh weh: Da gab es auch den ein oder anderen Misserfolg. Mehrere Teilnehmer klagten „Es ist immer dasselbe: Ich nehme mir ganz fest vor, gleich in dem Gespräch ganz ruhig zu bleiben und alle meine Punkte anzubringen, doch dann gerate ich unter Stress und mein ganzes Kartenhaus bricht zusammen.“

Kommt Ihnen auch bekannt vor?

Ohne Gelassenheit geht gar nichts. Alle guten Vorsätze sind hin. Der Chef bringt seinen Killersatz und Ihre Argumente gehen flöten. Während Ihres Vortrages stellt jemand eine provokante Frage und der Faden ist verloren. Ihr Mitarbeiter macht zum hundertsten Mal den gleichen Fehler und die Wut lässt Sie schon wieder so reagieren, wie Sie es eigentlich nie wieder tun wollten. Ärgerlich und manchmal auch peinlich.

Da nützen die besten Theorien, gelernten Konzepte und guten Vorhaben nichts.

Wir brauchen einen Notfallplan.

Irgendetwas, was ganz schnell hilft. Etwas, das unser Gehirn wieder funktionsfähig macht. Etwas, das verhindert, dass die Stimme nach oben schnellt oder unsicher klingt. Etwas, das uns in unseren „Normalzustand“ zurückbringt. Und zwar schnell, bitteschön!

Da geht es schon los: Das „schnell“ sollten wir besser vergessen. Denn das stresst uns nur noch mehr. Gönnen Sie sich Zeit. Gönnen Sie sich etwas, das sich manchmal wie eine halbe Ewigkeit anfühlt:

Gönnen Sie sich ein paar Sekunden.

Wir können uns von dem Druck befreien, immer sofort auf alles reagieren zu müssen. Das müssen wir nicht. Zumal uns selbst die Zeit, die vergeht, während uns jemand anschaut, viel länger vorkommt, als unserem Gegenüber.

Einmal tief ein- und wieder ganz ausatmen dauert bei mir fünf Sekunden. Ich habe es gestoppt. (Es ginge natürlich auch langsamer, ich bin schließlich Taucherin, aber ich will mal nicht übertreiben.) Wie lange dauert es bei Ihnen?

Atmen Sie.

Es mag vielleicht komisch anmuten, plötzlich im Gespräch inne zu halten und erst einmal tief zu atmen. Doch hier sehe ich überhaupt kein Problem, im Gegenteil: Nichts wirkt doch souveräner, als in einer etwas unguten Situation die Ruhe zu bewahren und mit Besonnenheit zu reagieren. Das macht am Ende viel mehr Eindruck, als eine vorschnelle Reaktion, die wir später korrigieren oder zurücknehmen müssen.

Wir vergessen so oft, auf unseren Atem zu achten. Ich weiß auch, dass das schnell esoterisch und zu sehr nach Yoga klingen kann, aber ich kann es nicht ändern – es hilft. Das größere Problem ist tatsächlich, sich im entscheidenden Moment daran zu erinnern. Notfallprogramme haben ein Problem: Sie müssen durch häufiges Üben einprogrammiert werden.

Deshalb: Üben Sie. Vorher.

Am besten täglich. Es ist wie mit dem Erste-Hilfe-Kurs, den wir alle absolviert haben, um unseren Führerschein zu erhalten. Wer weiß noch, wie die stabile Seitenlage geht? Mund-zu-Mund-Beatmung? Einen Rettungssanitäter können Sie nachts um drei wecken und er wird es Ihnen zeigen können, wie es geht.

Was auch immer Sie also in Zukunft anders machen wollen, Sie müssen es immer wieder einfach mal tun. Das kann ja in einem völlig anderen Zusammenhang sein. Hier nur ein paar Ideen:

  • Sprechen Sie Ihre neue schlagfertige Antwort in Ihr Handy und hören Sie diese jeden Morgen einmal ab. Dabei können Sie auch gleich noch üben, über sich selber zu lachen. Selbstironie galore.
  • Bitten Sie einen Freund, die Rolle Ihres Mitarbeiters zu spielen und Sie ab und zu herauszufordern und üben Sie Ihre neue Reaktion. (Jaaaa, ich weiß, das klingt nach Rollenspiel und total albern. Aber es hilft! Und wenn Sie es richtig machen, haben Sie total viel Spaß dabei!)
  • Erstellen Sie mit lustigen Leuten gemeinsam eine Liste mit möglichen Sätzen für schwierige Situationen. Haben Sie keine Hemmungen. Die nicht so brauchbaren können Sie ja wieder aussortieren. Aber mal so richtig vom Leder ziehen befreit auch ungemein.
  • Stellen Sie sich eine Erinnerung im Handy ein, dass Sie mindestens einmal am Tag auf Ihren Atem achten. Sonst vergessen Sie in den fünf Sekunden noch, was Sie da eigentlich tun wollten und plappern doch drauf los.

Und wohl am wirkungsvollsten: Freunden Sie sich mit der Tatsache an, dass nicht immer alles glatt läuft, wir uns aber wirklich nicht über alles ärgern müssen. Es ist eine Entscheidung. Stress ist eine Entscheidung. Und wir können uns dagegen entscheiden. Natürlich auch jederzeit dafür.

Heute entscheide ich mich dagegen und grüße Sie

… in heiterer Gelassenheit

Ihre Frau Schulz

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