Mit leichtem Gepäck flanieren – der Hofnarr

hofnarr

„Der moderne Hofnarr ist ein charmanter Flaneur, der mit leichtem Gepäck reist. Wo er mit am Tisch sitzt, ändern sich die Spielregeln.“
(Die Rückkehr des Hofnarren, Wütrich, Winter, Philipp)

Schonmal darüber nachgedacht, freiwillig die Rolle des Hofnarren einzunehmen?

Nein? Warum nicht?

Schauen wir uns doch kurz mal an, wo der Narr eigentlich so herkommt:

Der Ursprung liegt tatsächlich bereits in der Mythologie. Momos, der Gott der Kritik (oder auch Gott des skeptischen Denkens) hat bereits auf dem Olymp die Götter aufs Korn genommen. Nagut, er hat vielleicht ein bisschen viel rumgenörgelt, weshalb er dann auch von Zeus rausgeworfen wurde. Das kommt wohl davon, wenn man es übertreibt.

Die Geschichte und Vielfalt der Narrenfigur ist ein Thema für sich, welches ich hier nicht erschöpfend abhandeln kann (schade eigentlich, ist interessant!). Im 15. Jahrhundert jedenfalls entwickelt sich in Europa der Hofnarr langsam zu einer festen Institution bis hin zur Verbeamtung (!).

In dieser uns am ehesten bekannten Rolle war der Hofnarr nicht (nur) dafür da, für Stimmung zu sorgen. Seine Aufgabe war es, dem Herrscher Mahnung und Warnung zu sein. Der Hofnarr war der Einzige am Hof, der ungestraft die Wahrheit sagen durfte. Durch seine Position außerhalb der „Gesellschaft“ hat er Dinge gesehen, die Beteiligte nicht sehen konnten. Und so nahm er mehr und mehr die Funktion der Beratung und des Reflektierens ein – er hielt seinem Herrn den Spiegel vor.

Für eine uneingeschränkte Narrenfreiheit muss man außerhalb der Gesellschaft stehen. Und wer will das schon… Die Einführung des Narren als explizite Rolle in einem Unternehmen macht daher wahrscheinlich nur bedingt Sinn. Aber:

Jeder kann und sollte von Zeit zu Zeit sein eigener Narr sein!

Der moderne Narr ist souverän und entspannt. Er geht gelassen mit wechselnden Situationen um, kann über sich selbst lachen und geht offen und spielerisch auf andere zu. Er beherrscht vor allem zwei Spiele: „Überdenken“ und „Unterbrechen“.

Überdenken – selbst in den Spiegel schauen

Ganz bewusst inne halten und die aktuelle Situation einmal von außen betrachten – und ganz ehrlich zu sich sein. Ist die Situation wirklich so ernst oder erscheint sie von außen nicht sogar nahezu lächerlich? Was würde ein Hofnarr zu dem Ganzen sagen?

Fragen, die beim Überdenken helfen:

  • Sind die Dinge wirklich so, wie sie scheinen?
  • Höre ich gerade wirklich zu und bin neugierig auf die Gedanken der anderen?
  • Worum geht es in dieser Diskussion hier gerade wirklich?
  • Fühle ich mich von irgendetwas getrieben?
  • Was ist hier widersprüchlich? Wo liegt die Komik oder auch Dummheit in der Situation?

Wenn wir aus der Welt des nicht Normalen die normale Welt betrachten, wird uns oft klar, dass die normale Welt eigentlich verrückt ist.

Unterbrechen – den Spiegel vorhalten

Das ist die zweite und vielleicht etwas schwierigere Stufe. Doch in der richtigen Haltung, nämlich offen fragend und nicht bereits urteilend, nimmt es uns keiner krumm, im Gegenteil. Sie müssen ja nicht wild umherhüpfen und allen die Zunge rausstrecken. Doch man wird Ihnen dankbar dafür sein, eine neue Sichtweise einzubringen, ein paar kritische Fragen zu stellen und so ihr Umfeld zur Reflexion anzuregen. Wer weiß, vielleicht stellen Sie gemeinsam fest, dass Sie irgendwie auf den Holzweg geraten sind und können nun eine Richtungskorrektur vornehmen.

Fassen Sie sich also mal ein Herz und halten Sie einen Spiegel hoch. Laden Sie Ihr Gegenüber ein, hineinzuschauen und auch einmal über die obigen Fragen nachzudenken.

Und vergessen Sie nicht: ein Narr hat Spaß dabei. Haben Sie Spaß! Lachen Sie niemanden aus, aber lachen Sie mit sich oder mit anderen über ihre geistigen Verwirrtheiten, denen Sie nun auf die Schliche gekommen sind. Es wird allen gut tun.

… in heiterer Gelassenheit

Ihre Frau Schulz

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