Einmal ärgern bitte. Aber richtig.

aergern

Menschen ärgern sich. Manche Menschen ärgern sich oft. Und manche wollen sich weniger ärgern. So beispielsweise eine Gruppe von Kundenberatern, die sich letzte Woche bei mir zum Training einfanden, um in Zukunft besser mit der leider immer häufiger auftretenden „gepöbelten Reklamation“ umgehen zu können.

Ärger ist Selbsterhaltungstrieb.

Ärger nervt. Manchmal ärgern wir uns sogar, weil wir uns ärgern. Und es nervt, wenn andere sich ärgern und uns damit behelligen. (Erst recht, wenn das ein Kunde ist und dieser seinen Ärger über einen kleinen Fehler in der Lieferung unmissverständlich und leider oft auch sehr unverschämt kund tut.)

Wir ärgern uns immer dann, wenn unsere Selbsterhaltung oder Selbstwirksamkeit in Gefahr gerät (wir uns also in unserem Handeln eingeschränkt fühlen). Wenn Wünsche nicht erfüllt werden oder unser Selbstwertgefühl angekratzt wird. Wenn ich mich nicht gesehen fühle oder wenn jemand Regeln verletzt, an die wir uns mühevoll halten – all das ärgert uns sehr.

Der Ärger will uns also sagen: Pass auf dich auf, hier passiert etwas, das nicht gut für dich ist. Eigentlich total praktisch, dass wir da drauf aufmerksam gemacht werden.

Unser erster Impuls ist dann oft: Zurückhauen! Denn wir „müssen“ uns ja verteidigen.

Genau hinschauen lohnt sich!

Erst letzte Woche wieder am lebenden Objekt festgestellt: Es ist total interessant, genauer hinzuschauen und zu überlegen, was es denn nun genau ist. Denn davon hängt dann auch unsere Strategie ab, wie wir damit weiter verfahren.

Müssen wir „einfach nur“ unsere Wünsche deutlicher machen? (Nein, unser Gegenüber kann uns nicht alles von den Augen ablesen. Nein, auch nach 20 Jahren Ehe nicht. Dann vielleicht sogar erst recht nicht. ;-) )

Ist dem anderen vielleicht gar nicht klar, dass es da eine Regel gibt, die er verletzt hat? Hilft es, ihn darauf freundlich hinzuweisen?

Oder fühle ich mich in meinem Selbstwert angegriffen und möchte eigentlich ruhig und sachlich meine Kompetenz klarstellen, damit ich nicht wie ein Grundschüler dargestellt werde?

Daher mein Vorschlag: Beobachten Sie doch mal in den nächsten Wochen, worüber Sie sich besonders ärgern. Vielleicht fällt Ihnen etwas auf? Und dann erst überlegen Sie, wie Sie darauf am besten reagieren können.

Und wenn sich der andere ärgert?!

Das gleiche gilt übrigens auch umgekehrt. Ruft Sie jemand sehr verärgert an, beschimpft Sie vielleicht sogar (kann ja mal vorkommen), ist einer der oben genannten Gründe eingetreten: Der Verärgerte fühlt sich nicht gesehen, hat einen bestimmten Wunsch, glaubt, man reduziere seinen Selbstwert. Das ganze äußert er natürlich versteckt, beispielsweise unter dem Vorwurf „Sie haben Ihre Leistung nicht richtig erbracht!“ Und was dann passiert ist spannend:

Wir schlagen zurück: „Das stimmt nicht, ich mache meine Arbeit gut, Sie haben den Fehler gemacht!“ (Ich mache das jetzt mal sehr plakativ.). Ergo: Wir verhandeln in Wirklichkeit, wer seinen Selbstwert besser verteidigen kann. Und damit können wir dann locker Stunden zubringen und das doofe Gefühl im Bauch bleibt tagelang dort… Was bringt’s? Genau.

Gruppenschimpfen oder gemeinsam weglächeln?

Ärger belebt. Wenn wir unseren Ärger verbergen, nehmen wir uns ein Stück Lebendigkeit weg. Wir sollten ihn also behalten, zumindest so grundsätzlich. Doch wir können anders mit ihm umgehen, so dass er nicht mehr so viel Energie verbraucht, er nicht mehr so lange dauert, er einem nicht mehr so viel schlechte Laune macht.

Man nennt das dann konstruktiven Umgang mit Ärger. Klingt gut, gell?

Destruktiver Umgang wäre das reine Nörgeln beispielsweise. Vor sich hin zu ningeln ohne irgendetwas zu ändern oder zu überdenken – das führt zu nichts. Oder laut loszuschimpfen und alle bis eben noch Unbeteiligten da auch noch reinzuziehen – das macht es noch schlimmer.

Den Ärger ignorieren und so tun als wäre nichts – das geht ab und zu mal gut und ich halte das hier und da für eine hervorragende Strategie. Aber eben auch nicht immer, denn: der Ärger hat ja eine Funktion.

Dem also auf den Grund zu gehen und in einer ruhigen Minute zu überlegen, was hier eigentlich gerade los ist und wie ich das ruhig, entspannt und gelassen lösen könnte – darin liegt die Kunst. Und dann finden Sie noch einen humorvollen Weg, Ihr Anliegen auf den Punkt zu bringen, und die Sache ist geritzt!

Und so grüßt Sie völlig unverärgert

… in heiterer Gelassenheit

Ihre Frau Schulz

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