Was? Ihr Laptop ist nicht wasserdicht? Gute Laune im Homeoffice

Homeoffice

Früher, als ich noch angestellt war, da musste ich mich manchmal stundenlang auf ein Dokument konzentrieren und meinen Senf dazu abgeben. Da konnte ich es überhaupt nicht gebrauchen, im Großraumbüro ständig von irgendwo angequatscht zu werden. Und dennoch war es die tägliche Erwartungshaltung: Egal, welcher Aufgabe du gerade nachgehst, die Kollegen müssen dich sehen, wie du an deinem Platz sitzt und dein Kopf raucht.

Ganz manchmal ist es mir dennoch gelungen, meine Chefin davon zu überzeugen, diese konzentrierte Denkarbeit im Homeoffice erledigen zu dürfen. Was für ein Privileg! Und vor allem auch: Was für ein Ansporn! Denn ich hätte mich niemals getraut, am nächsten Tag nur mit halbfertigem Dokument wieder im Büro aufzutauchen…

Von zu Hause aus arbeiten zu dürfen war früher also ein seltener Vertrauensbeweis meiner damaligen Chefin.

Diese Zeiten sind vorbei.

Die Besonderheit, fokussiert zu Hause ein Konzept auszuknobeln ist dem blanken Arbeitsalltag gewichen. Das improvisierte Homeoffice wird für viele zum Dauerkraftakt. Und wenn Sie glauben, dass das „alte Normal“ so schnell nicht wiederkehren wird, liegen Sie vermutlich richtig. Was bleibt also zu tun, wenn die unausweichliche Realität nicht gerade angenehm ist?

Ich habe da eine Idee:

Geben Sie dem Problem eine neue Bedeutung.

Eine psychologische Methode, mit der Coaches ihren Klienten häufig aus schwierigen Situationen helfen können, ist Reframing, deutsch Umdeutung. Und das geht so:

Aus Psychologensicht ist eine beliebige Situation weder gut noch schlecht. Erst unsere Zuschreibung oder der Blickwinkel, aus dem wir sie betrachten, verleiht ihr Bedeutung und Bewertung. Vielleicht entsteht in diesem Moment, in dem Sie dies lesen bei Ihnen sofort Entrüstung und Sie möchten sagen „Papperlapapp, Homeoffice ist einfach total mühsam, basta!“. In der Haltung, die wir zu einer Sache einnehmen, rasten wir meist schnell ein und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Stimmt absolut – Homeoffice kann echt anstrengend sein. Sie können allerdings weitere Blickwinkel auf diese kräfteraubende Situation entdecken. Suchen Sie gezielt danach, zum Beispiel indem Sie sich verschiedene Fragen stellen: Inwiefern ist es für Sie trotz allem ein klein wenig nützlich, im Homeoffice zu arbeiten? Welche unangenehmen Dinge vermeiden Sie dadurch? Wie laut ist es sonst im Büro? Wie ist die Luft dort, das Licht? Wie würden Sie die Challenge „Extreme Homeofficing“ angehen – haben Sie schon mal in der Badewanne gearbeitet? Angenommen, Homeoffice wäre ein Computerprogramm und Sie ein Hacker, welchen Code würden Sie als erstes knacken? Stellen Sie sich mal kurz vor, Sie sitzen in der Ground Control der NASA anstatt in Ihrem Homeoffice und steuern Ihr Team auf einer Raumfahrtmission zum Mars – wie fühlen Sie sich? Und was könnte wohl dazu führen, dass alles noch viel schlimmer wird, als es jetzt ist?

Für Einsteiger: Bei jedem technischen Problem steigt die Laune!

Die Homeoffice-Ratgeber sagen, Sie sollen für funktionierende Technik sorgen. Klar. Und im richtigen Leben funktioniert ziemlich viel Technik ziemlich gut – aber eben nicht immer. Mein Lieblingstrick: „Bei jedem technischen Problem steigt die Laune!“

Die Teams, mit denen ich arbeite, kennen das bereits gut. Wir nutzen jeden technischen Fehler, der passiert, für einen kleinen Moment des gemeinsamen Amüsements.

Die bloße Vereinbarung im Team, sich von technischen Schwierigkeiten nicht die Energie rauben zu lassen, verändert bereits die Haltung aller Beteiligten zu kleinen Verzögerungen. Nichts verbindet schließlich mehr, als über eine kleine Alltagspanne zu lachen, die man gemeinsam ausbadet.

Für Fortgeschrittene: Tun Sie so, als würden Sie ins Büro gehen

Sie wollen Ihr Bürogefühl zurück, oder? Diesen Fokus, der sich einstellt, sobald Sie das Firmengelände betreten. Das Zunicken im Team, „Na, schönes Wochenende gehabt?“.

Tun Sie doch einfach mal einen Tag lang so, als gingen Sie ins Büro! Sie frühstücken zu Hause das Übliche zur üblichen Zeit, verlassen das Haus und fahren so lange durch die Gegend, wie Ihr sonstiger Arbeitsweg dauern würde. Sie betreten Ihren Arbeitsplatz (den zu Hause natürlich)  und nicken freundlich in alle Richtungen (Ihre Kollegen müssen Sie sich dabei wohl oder übel vorstellen), schließen die Tür hinter sich und beginnen zu arbeiten. Achten Sie darauf, Ihren Schreibtisch möglichst identisch mit dem in Ihrem Büro zu gestalten, mit den gleichen Pflanzen, Ihrem Lieblingswitz an der Pinnwand. Sie könnten sich eine Fototapete mit dem Gruppenbild des letzten Betriebsausflugs bestellen. Oder Bilder Ihres Teams in einen digitalen Bilderrahmen laden. Um Punkt 12:30 Uhr machen Sie Mittag, dazu sind Sie mit einem Kollegen zum Lunch verabredet. Suchen Sie sich am besten einen sonnigen Tag aus, damit Sie Ihre Take-away-Mahlzeit gemeinsam draußen genießen können. Kehren Sie beschwingt ins „Büro“ zurück und machen Sie sich an den Rest Ihres Tagwerks bevor Sie sich vergnügt in alle Richtungen nickend verabschieden und sich wieder auf Ihren üblichen „Nach-Hause-Weg“ machen. Na, wie fühlt sich das an? Ein bisschen bescheuert? Umso besser!

Expertenlevel: Finden Sie gemeinsam mit Ihrem Team die komischen Seiten

Die negativen Seiten des Homeoffice haben wir alle ausgiebig durchgespielt. Positive Seiten werden Sie für sich selbst finden, wenn Sie genau hinschauen. Und die komischen Seiten bringen Schwung in die Sache! Aktivieren Sie dazu in Ihrem Team das Immerhin-Spiel, besonders dann, wenn miese Laune im Anflug ist. Zum Beispiel „Immerhin können Sie per Videokonferenz perfekt die Etikette einhalten, wenn Sie laut nießen müssen, sogar mit Ton aus!“. Oder „Immerhin sparen Sie sich jede Menge Nerven, weil Sie nicht im Berufsverkehr unterwegs sind!“ (außer, die spielen das So-tun-als-ob-Spiel). Sie werden staunen, was Ihnen da alles einfällt!

Diese Relativierung der Situation löst keine Probleme, aber sie macht alles ein klein wenig leichter. Welche anderen Gelegenheiten finden Sie im Team, um die komische Seite des Homeoffice zu entdecken? Welche Geschichten über diese Zeit werden Sie sich in einem Jahr auf dem Betriebsausflug erzählen? Und worüber lachen Sie selbst heimlich?

Nicht vergessen: Jedes Ding hat drei Seiten, eine negative, eine positive und eine komische. ~ Karl Valentin

Humor, auch das noch? Ja bitte – jetzt erst recht!

Die Pandemie zehrt an den Nerven, die Zeiten sind hart. Sie sind am härtesten, wenn wir uns das jeden Tag bestätigen und unseren Blick wie einen Scheinwerfer auf die Dinge richten, die uns Kraft kosten. Üben Sie sich stattdessen immer wieder mal in der humorvollen Umdeutung des Beschwerlichen in eine Perspektive, mit der Sie trotz widriger Umstände so heiter wie möglich gestimmt sind. Dazu wirkt es Wunder, eine Situation ein wenig ad absurdum zu führen und so einen veränderten Blick auf die ganze Misere zu gewinnen, der neue Energieressourcen bringt. Versuchen Sie ein klitzekleines Bisschen das Heitere daran zu entdecken. Das macht Ihr Denken flexibler, um neue Lösungsideen zu generieren oder praktische Tipps umzusetzen. Dann sehen Sie weiter – und Sie werden sehen!

Übrigens:

Je positiver Ihre eigene Haltung gegenüber einer Situation ist, umso mehr überträgt sich dies auch auf Ihre Teammitglieder. Und dann tut das allen gut. Wichtig ist dabei natürlich Ihre Authentizität. Ziehen Sie bloß keine Show ab, das merkt Ihr Team sofort. Gehen Sie stattdessen in kleinen Schritten vor und portionieren Sie Ihre gewonnene positive und vielleicht sogar humorvolle Haltung so, wie Sie sie selbst erleben. Dabei hilft die Homeoffice-Variante eines weiteren berühmten Zitats von Karl Valentin, um sich daran zu erinnern, dass es schlimm ist, aber noch schlimmer sein könnte: „Ich genieße es, im Homeoffice zu arbeiten, denn wenn ich es nicht genieße, sitze ich trotzdem am Küchentisch und arbeite wie verrückt!“.

In diesem Sinne, kommen Sie gut durch die nächste Zeit,
wenn es geht sogar
in heiterer Gelassenheit.

Ihre Frau Schulz

Zurück

Regelmäßig Neuigkeiten
von Frau Schulz?

Sie wollen mir lieber erstmal heimlich folgen?

Abonnieren Sie meinen Newsletter und lassen sich inspirieren von wertvollen Tipps rund um gelassene Führung und hervorragende Zusammenarbeit!